Was xG misst
Ein Schuss aus 25 Metern ist selten ein Tor, ein Kopfball aus dem Fünfmeterraum oft. xG bildet das in einer Zahl zwischen 0 und 1 ab. Ein Wert von 0,10 heißt: Von zehn solchen Schüssen geht im Schnitt einer ins Tor. Die Zahl entsteht aus einem statistischen Modell, das auf tausenden früheren Schüssen beruht und Merkmale wie Entfernung, Winkel, Körperteil und Spielsituation berücksichtigt (zum Beispiel Konter oder Standard). Ein Elfmeter liegt je nach Modell bei etwa 0,76 bis 0,79.
Ein Rechenbeispiel
| Schuss | xG | Ergebnis |
|---|---|---|
| Fernschuss | 0,04 | vorbei |
| Schuss aus dem Strafraum | 0,12 | gehalten |
| Elfmeter | 0,77 | Tor |
| Summe | 0,93 | 1 Tor |
Die Mannschaft erzielte 1 Tor bei 0,93 xG – ein ziemlich durchschnittliches Ergebnis. Hätte sie mit denselben Chancen zweimal getroffen, wäre sie „überperformt“, bei keinem Treffer „unterperformt“.
Wofür xG gut ist
- Spielverlauf einordnen: Ein 1:0 mit 0,4 zu 2,3 xG ist ein Sieg mit Glück, kein Beleg für Überlegenheit.
- Trends früh erkennen: xG schwankt weniger als Tore. Nach einigen Spieltagen ist es oft ein besseres Signal für die Spielstärke als die Tabelle.
- Chancenqualität vergleichen: Eine Mannschaft mit vielen Schüssen, aber wenig xG pro Schuss, schießt häufig aus ungünstigen Positionen.
Die größten Missverständnisse
- „xG sagt, wer verdient gewonnen hat.“ Nein, es beschreibt Chancenqualität, nicht Verdienst. Ein Team darf auch durch gute Abwehrarbeit gewinnen.
- „Hohe xG-Differenz = sicherer Sieg.“ Das Ergebnis bleibt zufällig. Mit 2,0 zu 0,8 xG verliert man trotzdem manchmal.
- „Jeder xG-Wert ist vergleichbar.“ Anbieter nutzen verschiedene Modelle. Zahlen von Opta, Understat oder Vereinen darf man nicht mischen.
- „Das Modell kennt den Schützen.“ Meist nicht. Ein Weltklasse-Stürmer verwandelt einen Schuss öfter als ein Innenverteidiger; viele Modelle ignorieren das, spezielle Varianten (Post-Shot-xG) berücksichtigen die Schussplatzierung.
Wie viele Spiele braucht es?
Wie bei jeder Statistik gilt: Wenige Spiele sagen wenig. Nach fünf Spieltagen kann eine Mannschaft ihre xG-Bilanz noch glatt „überperformen“, über 34 Spieltage gleicht sich der Zufall weitgehend aus. Warum das so ist, erklärt der Artikel Fußballstatistik richtig lesen.
xG und unsere Prognose
Unsere Saison-Prognose nutzt kein xG, sondern tatsächliche Tore und Gegentore, weil die Datenquelle keine Schussdaten liefert. Der Grundgedanke ist verwandt: Beide Modelle versuchen, aus der Vergangenheit zu schätzen, welche Tore realistisch zu erwarten sind, und rechnen mit Wahrscheinlichkeiten statt mit Gewissheiten.
