Regeln

VAR in der Bundesliga: Was der Videoassistent prüft – und was nicht

Der Video-Assistent sorgt seit 2017 für Diskussionen. Die Regeln dahinter sind klarer, als der Streit oft vermuten lässt.

Kurz gesagtDer VAR greift nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern in vier Situationen ein: Tore, Strafstöße, direkte Rote Karten und Spielerverwechslungen. Alles andere ist Sache des Schiedsrichters auf dem Platz.

Wann der VAR eingreifen darf

Die Bundesliga nutzt den Videobeweis seit der Saison 2017/18. Der Video-Assistent sitzt nicht im Stadion, sondern im Video-Assist-Center in Köln, dem „Kölner Keller“. Er sieht alle Kameraperspektiven und kann dem Schiedsrichter eine Überprüfung empfehlen – aber nur in vier Fällen:

  1. Tore – einschließlich der Phase davor (Abseits, Foulspiel, Handspiel im Angriff, Ball im Aus).
  2. Strafstöße – gegeben oder nicht gegeben.
  3. Direkte Rote Karten – nicht aber Gelb-Rot nach zwei Verwarnungen.
  4. Spielerverwechslung – wenn der falsche Spieler bestraft wurde.

Check oder Review?

Bei jeder dieser Situationen läuft im Hintergrund ein Check: Der VAR schaut sich die Szene an. Passt die Entscheidung des Schiedsrichters, merken Zuschauer davon nichts. Erkennt er einen klaren Fehler, meldet er das dem Schiedsrichter, der entweder seine Entscheidung ändert oder sich die Szene selbst am Spielfeldrand anschaut (Review). Bei Tatsachenentscheidungen wie Abseits teilt der VAR das Ergebnis mit und der Schiedsrichter korrigiert ohne eigene Ansicht; bei Ermessensfragen wie der Foulintensität schaut sich der Schiedsrichter die Bilder am Spielfeldrand selbst an.

„Klar und offensichtlich“ – das Streitwort

Der Video-Assistent soll den Schiedsrichter nur bei groben Fehlern korrigieren, nicht jede Szene neu bewerten. Genau hier entstehen die Diskussionen: Wo endet eine vertretbare Entscheidung, wo beginnt ein klarer Fehler? Zwei Menschen können dieselbe Szene unterschiedlich sehen, ohne dass einer „falsch“ liegt. Der VAR soll deshalb nicht die bessere Meinung ersetzen, sondern echte Fehlentscheidungen verhindern.

Was der VAR nicht prüft

  • Gelbe Karten und Gelb-Rot,
  • Eckstoß- oder Einwurfentscheidungen,
  • Freistöße und Zeitspiel,
  • Fouls, die nicht zu Tor, Strafstoß oder Rot führen.

Warum Abseits-Entscheidungen so knapp wirken

Beim Abseits legt der VAR Linien an die Körper der Spieler, auf den Bildern erscheint die Entscheidung dann millimetergenau. Dabei stecken in der Auswertung Unsicherheiten wie die Bildrate der Kamera und die Frage, auf welchem Bild der Pass gespielt wurde. Deshalb wirken sehr enge Abseitsentscheidungen oft hart, auch wenn sie regelkonform sind.

Was der VAR verändert hat

Wie stark der VAR die Zahl der Fehlentscheidungen reduziert, wird vom DFB und von Studien unterschiedlich beziffert; die Datenlage ist von Saison zu Saison verschieden. Gut belegt ist, dass die Zeit für Unterbrechungen länger wurde und dass die Kommunikation im Stadion Thema blieb. Wer die Regeln im Überblick sucht, findet sie im Ratgeber Fußballregeln einfach erklärt, Fachbegriffe im Glossar.

Hinweis: Protokolle und Details ändern sich gelegentlich. Verbindlich ist das Regelwerk des DFB bzw. des IFAB für die jeweilige Saison.
Florin Vasilcanu

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